Kein automatischer Kündigungsschutz für Dauerpatienten
Krankheit schützt nicht vor Kündigung. Im Gegenteil, oft ist sie sogar der Grund dafür. Dies liegt daran, dass ein "Dauerpatient" seinen Verpflichtungen aus dem Arbeitsvertrag nicht nachkommt. In vier Standardsituationen – bei häufigen Kurzerkrankungen, andauernden Langzeiterkrankungen, ständiger krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit sowie krankheitsbedingter Leistungsminderung – lasse die aktuelle Rechtsprechung eine Kündigung wegen Krankheit ausdrücklich zu. Anders als bei einer verhaltensbedingten Kündigung bedarf es nicht einmal einer Vorwarnung in Form einer Abmahnung. Nur mit einer Kündigungsschützklage innerhalb von drei Wochen ist eine Weiterbeschäftigung noch durchzusetzen. Die rechtzeitige Klage ist übrigens auch geboten, wenn man nicht wirklich arbeiten, sondern nur eine Abfindung aushandeln wolle. Nach Ablauf der Frist ist die Kündigung wirksam. Dann würde auch kein Arbeitgeber noch eine Abfindungssumme zahlen. Hilfreich beim Anfechten der Kündigung wegen Krankheit kann eine Passage im Sozialgesetzbuch IV (§ 84 Abs. 2) sein, in der es um die Fürsorgepflicht des Arbeitgebers gegenüber den Beschäftigten geht. Der Gesetzgeber verlangt hier schlichtweg betriebliches Eingliederungsmanagement. Darunter ist ein Rückkehrgespräch mit dem Erkrankten zu verstehen, in dem die Ursache seiner Arbeitsunfähigkeit besprochen und gezielt Hilfe angeboten wird, sie zu überwinden. Einige Unternehmen bieten gemeinsam mit Physiotherapeuten, Krankenkassen, Arbeitsagenturen und anderen Partner ein komplexes professionelles Eingliederungsmanagement an. Macht der Betroffene nicht mit, hat er schlechte Karten, sich gegen die Kündigung zu wehren. Es sei denn, der Arbeitgeber wäre mit seiner Kündigung wegen Krankheit grundsätzlich nicht durchgekommen. Das ist der Fall wenn auch nur eine von folgenden Voraussetzungen fehlt: Nämlich eine negative Gesundheitsprognose für den Mitarbeiter, eine erhebliche Beeinträchtigung der betrieblichen Interessen durch sein Fehlen sowie eine Unzumutbarkeit für den Arbeitgeber, das Arbeitsverhältnis fortzusetzen. Bei der so genannten Unzumutbarkeitsklauseln sind die ökonomischen Interessen des Arbeitgebers und die Bestandschutzinteressen des Arbeitnehmers gegeneinander abzuwägen. Einem langjährigen Mitarbeiter gegenüber ist ein Unternehmer im Krankheitsfall zu mehr Rücksicht verpflichtet, als etwa gegenüber einer Aushilfe. Denkbar sind beispielsweise überbrückungsmaßnahmen bis zur Gesundung. Um sich dergleichen Mühe zu ersparen kündigen Arbeitgeber selbst erkrankten Mitarbeiter mitunter verhaltens- statt krankheitsbedingt.
Arbeitsrecht