Kosten für die Scheidung sind steuerlich absetzbar
Scheidungskosten sind nach § 33 EStG steuerlich absetzbar. Ein Teil der Scheidungskosten übernimmt somit das Finanzamt. Das darf sogar nachträglich passieren, wenn der betroffene Steuerbürger nicht wusste, dass solche Kosten überhaupt absetzbar sind. Das geht aus einem rechtskräftigen Urteil des Finanzgerichts Baden-Württemberg hervor: Die Richter entschieden zugunsten einer geschiedenen Ehefrau, die Scheidungskosten absetzen wollte, obwohl ihr Steuerbescheid schon bestandskräftig war. Sie hatte erst später erfahren, dass solche Kosten abzugsfähig sind. Das Finanzamt lehnte ab und warf ihr "grobes Verschulden" vor, weil im mitgelieferten Merkblatt ein Hinweis auf die Scheidungskosten stand. Das Finanzgericht schützte allerdings die Frau. Im Steuererklärungsformular finde sich kein Hinweis, dass Scheidungskosten als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig seien und im Stichwortverzeichnis des Merkblattes befinde sich der Begriff "Scheidungskosten" ebenfalls nicht. Der Steuerzahlerin könne nicht vorgeworfen werden, dass sie nicht unter dem vorhandenen Begriff "Ehescheidungskosten" gesucht habe. Damit ist nach Auffassung des Gerichts die änderung bestandskräftiger Steuerbescheide wegen "neuer Tatschen" nach § 173 der Abgabenordnung zulässig (Aktz.: 14 K 265/03). Als außergewöhnliche Belastung absetzbar sind in einem Scheidungsfall die Gerichts- und Anwaltskosten. Ebenfalls absetzbar sind die Ausgaben für ein Mediationsverfahren, wenn danach auch geschieden wird. Bereits aufgewendete Ausgaben für den juristischen Teil eines Rosenkriegs übernimmt das Finanzamt auch dann, wenn es trotz der Scheidung wieder zu einer Versöhnung gekommen ist. An den Kosten juristischer Auseinandersetzungen nach einer abgeschlossenen Scheidung (etwa um Vermögens-, Versorgungs- oder Sorgerechtsfragen zu klären) beteiligt sich das Finanzamt nicht. Auch deshalb ist es zweckmäßig, möglichst alle anstehenden Probleme im Rahmen eines Scheidungsprozesses zu klären.
Familienrecht