Gesetzliche Erbfolge
Liegt kein Testament oder Erbvertrag vor, dann greift die gesetzliche Erbfolge. Diese berücksichtigt die Verwandten des Erblassers in einer gesetzlich vorgegebenen Reihenfolge. In der ersten Ordnung erben Kinder, Enkel und Urenkel. In der zweiten Ordnung erben Eltern, Geschwister und Nichten/Neffen.   In der dritten Ordnung erben Großeltern, Tanten/Onkel, Cousinen/Cousins. In der vierten Ordnung erben Urgroßeltern, Großtanten/-onkel, Cousinen/Cousins 2. Grades. Wichtig ist, dass ein lebender Erbe einer vorrangigen Ordnung automatisch alle Erben der nachrangigen Ordnungen ausschließt. Innerhalb einer Ordnung haben Erben mit dem jeweils engsten Verwandschaftsgrad Vorrang. Leben mithin die Kinder des Verstorbenen noch, werden die Enkel nicht mehr berücksichtigt. Sind weder Kinder noch deren Abkömmlinge vorhanden, erben die Eltern des Verstorbenen. Für Ehepartner oder eingetragene Lebenspartner gilt ein gesondertes Erbrecht, da dieser mit dem Erblasser nicht blutsverwandt sind. Zu welchen Anteilen der Ehepartner erbt, hängt davon ab, welcher Ordnung, ggf. vorhandene weitere Erben angehören. Und schließlich: Wenn es weder Ehepartner noch Verwandte gibt und Sie kein Testament hinterlassen, dann erbt der Staat! Es kann sein, dass die gesetzliche Erbfolge alle Menschen berücksichtigt, die Ihnen am Herzen liegen. In diesem Fall benötigen Sie natürlich kein Testament. Wenn Sie aber für Ihren nichtehelichen Lebenspartner vorsorgen, eine liebe Freundin bedenken oder Ihr Engagement für eine gemeinnützige Organisation fortgeführt wissen möchten, dann sollten Sie entsprechende Vorkehrungen treffen und Ihren letzten Willen zu Papier bringen. Dass gilt im Übrigen auch, wenn Sie einen Verwandten, der in der gesetzlichen Erbfolge nach Ihnen erben würde, von der Erbschaft ausschließen möchten. Sie können also jederzeit die gesetzlichen Regelungen durch ein Testament oder einen Erbvertrag ändern. Testament oder Erbvertrag? Das Testament   Sie können ein Testament ganz einfach selbst aufsetzen und zu Hause verwahren. Ein solches eigenhändiges Testament muss vollständig handschriftlich verfasst, mit Ort und Datum versehen und mit dem vollen Namen unterschrieben werden. Vergessen Sie bitte nicht, dass ein gemeinschaftliches Ehegattentestament von beiden Ehegatten unterschrieben werden muss. Wählen Sie für die Aufbewahrung einen Ort, an dem Ihr Testament leicht gefunden wird. Oder Sie hinterlegen es gegen eine geringe Verwahrungsgebühr beim zuständigen Nachlassgericht (Amtsgericht). Wer wirklich sicher gehen möchte, dass sein letzter Wille eindeutig und rechtsgültig formuliert ist, kann hierfür die Hilfe unserer Kanzlei in Anspruch nehmen. Dieses bietet sich vor allem an, wenn Ihre Vermögensverhältnisse oder Ihre Nachlasswünsche komplex sind. Ein Anwalt/Notar wird das Testament Ihren Wünschen entsprechend abfassen. Erbvertrag In einem Erbvertrag trifft der Erblasser mit seinen Erben verbindliche Vereinbarungen, die er ohne deren Einverständnis nicht widerrufen kann. Diese Vertragsform bietet sich an, wenn der Erbe zu bestimmten Leistungen verpflichtet werden soll, aber auch, wenn der Erblasser seinen Erben eine gewisse Sicherheit über die letztwillige Verfügung gewähren möchte. Daher findet der Erbvertrag zum Beispiel häufig in der Regelung von Unternehmensnachfolgen Anwendung. Ein Erbvertrag kann mit der Hilfe unserer Kanzlei aufgesetzt und anschließend beim Amtsgericht verwahrt werden. Egal ob Testament oder Erbvertrag: Vor allen Dingen bei mehreren Erben empfiehlt sich die Benennung eines Testamentsvollstreckers, um Schwierigkeiten innerhalb der Erbengemeinschaft vorzubeugen. Dies kann eine vertrauenswürdige Person aus Ihrem Umfeld, ein hauptamtlicher Testamentsvollstrecker oder sogar ein Rechtsanwalt sein, die im Übrigen allesamt aus der Erbmasse bezahlt werden würden.  Inhaltliche Gestaltung des Testaments: 1. Erbeinsetzung Sie können einen Alleinerben bestimmen oder mehrere Personen mit bestimmten Anteilen einsetzen: Ihre beste Freundin, den stets hilfsbereiten Nachbarn oder eine gemeinnützige Organisation, die Sie unterstützen möchten. Im Rahmen Ihrer Nachlassregelung haben Sie auch die Möglichkeiten, individuelle Auflagen für Ihre Erben, wie zum Beispiel eine regelmäßige Grabpflege mit aufzunehmen. 2. Der Pflichtteil Trotz aller Freiheit bei der Vermögensverteilung gilt es die Pflichtteilsregelungen zu beachten, die dafür sorgen, dass Ehegatten bzw. eingetragene Lebenspartner und Kinder nicht vollständig vom Erbe ausgeschlossen werden können. Der Pflichtteil macht die Hälfte des gesetzlichen Erbteils aus und ist immer ein schuldrechtlicher Anspruch gegen den/die Erben. Ein Anspruch auf ganz bestimmte Gegenstände oder Immobilien aus dem Nachlass können Pflichtteilsberechtigte hingegen nicht geltend machen. 3. Vermächtnis Wenn Sie jemandem etwas hinterlassen möchten, ohne ihn als Erben mit seinen Rechten und Pflichten einzusetzen, dann ist das Vermächtnis der richtige Weg. Dies kann sowohl in einem Testament als auch in einem Erbvertrag festgehalten werden – eine kurze Formulierung mit genauer Bezeichnung des Gegenstandes oder der Geldsumme und des Empfängers reicht aus. 4. Erbschaftssteuer Bei jeder Erbschaft fallen Steuern an: Je höher der Vermögenswert und je niedriger der Verwandtschaftsgrad, desto höher der Steuersatz. Auch der jeweils gültige Freibetrag variiert in Abhängigkeit vom Verwandtschaftsgrad. Bei sehr großen Vermögenswerten macht es daher durchaus Sinn, sich die einzelnen Freibeträge und Steuergesetze genau anzusehen, damit Ihr Vermögen soweit wie möglich erhalten bleibt und in Ihrem Sinne verwendet werden kann. Daher macht es auch Sinn, sich frühzeitig anwaltlich über die Möglichkeiten entsprechender Regelungen für die Verwertung des eigenen Vermögens zu informieren und beraten zu lassen.
Familienrecht