„Mord in guter Gesellschaft“
Häufig unterliegt die Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag im allgemeinen Verständnis einem gravierenden Irrtum. Es wird oft angenommen, dass Totschlag eine Tötung im Affekt beschreibt, wobei der Mord von langer Hand geplant ist. Diese Vorstellung ist grundlegend falsch. Die Unterscheidung zwischen Mord und Totschlag erfolgt nicht über verschiedene Formen von Vorsatz, sondern über besondere täter- oder tatbezogene Merkmale, die im Falle eines Mordes erfüllt sein müssen. So legt § 211 StGB für die Strafbarkeit wegen Mordes neben dem Tod eines Menschen und dem vorsätzlichen Handeln – was so den Voraussetzungen des Totschlags nach § 212 StGB entspricht – zum Beispiel eine besonders grausame oder heimtückische Tatbegehung voraus. Andere Merkmale, die die Annahme eines Mordes begründen, sind das Handeln aus Mordlust, zur sexuellen Befriedigung, aus Habgier oder aus sonst niedrigen Beweggründen, sowie eine Tatbegehung mit gemeingefährlichen Mitteln oder zur Verdeckung bzw. Ermöglichung von Straftaten. Zunächst hatte das Landgericht Potsdam über einen Fall zu entscheiden, der so auch Grundlage eines TV-Krimis hätte gewesen sein können. Der Angeklagte war der ehemalige Bürgermeister der Stadt Ludwigsfelde und seit 47 Jahren mit seiner Ehefrau verheiratet. Mit dieser lebte er jedoch in einer zerrütteten Beziehung. Am Mittag des 29. Dezember 2011 hat er auf einem gemeinsamen Waldspaziergang der Ehe ein Ende bereitet, indem er seine Frau erdrosselt hat. Im Anschluss daran hat er deren Cocker Spaniel ebenfalls getötet. Hier hat das Landgericht in Potsdam die Voraussetzungen für einen Mord als gegeben erachtet. Die Tötung soll hier heimtückisch erfolgt sein. Heimtückisch tötet, wer die Arg- und Wehrlosigkeit seines Opfers gerade zu seinen Zwecken ausnutzt. Dass dieses Merkmal die lebenslange Freiheitsstrafe des Mordes auslösen kann, begründet sich durch die verminderten Schutzmöglichkeiten eines arg- und wehrlosen Opfers. Hier hat der Angeklagte wohl gerade die harmlose Situation eines Waldspaziergangs ausgenutzt, währenddessen sich die Ehefrau keines Angriffs seitens ihres Ehemannes versah. Diese Situation begründet die Erfüllung des Tatbestands des Mordes, welcher grundsätzlich zwangsläufig eine lebenslange Freiheitsstrafe nach sich zieht. Diese Sichtweise wurde von dem fünften Senat des Bundesgerichtshofes vollumfänglich bestätigt. Der ehemalige Bürgermeister ist somit rechtskräftig verurteilt.   BGH Beschluss vom 22. Januar 2014 – 5 StR 561/13 Landgericht Potsdam - Urteil vom 7. Mai 2013 – (21 Ks) 486 Js 1722/12 (3/12)
Strafrecht